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Kaub – Fußgängerampel

16. 08 .2026

 

Meine Frau so am Blumen gießen, und macht der Wasserschlauch langsam schlapp, schlapp, schlapp. Die Quelle will nicht mehr. Kommt nix mehr. „Tja“, sag ich so, „weißt du wat, ich hab Lust auf noch mehr Katastrophen. Ich fahr jetzt mit der Bahn nach Kaub und guck mir dat Niedrigwasser an. Bin heute Abend wieder da.“ „Du spinnst“, sagt sie, „aber fahr ruhig, wenn du dat brauchst.“

Ich also los, und die erste Katastrophe war die erwartete. Gleisbauarbeiten zwischen Adorf und Bdorf, wir bitten um Verständnis. Versteh ich. Die Anschlüsse natürlich auch alle weg, dann endlich nach 6 Stunden für 400 km Mainz, wegen Gleisbauarbeiten sind 2 der 4 Eisenbahntrassen nicht befahrbar, Wir bitten … Was soll’ s, ich habe den Tag den Katastrophen geweiht. Endlich Kaub.

Wat soll ich sagen … verdammt wenig Wasser. Hier bin ich schon gefühlte 100 Mal vorbeigekommen, davon viermal mit dem Rad und einmal zu Fuß, aber so wenig Wasser … Nee. Und so sitz ich da und denk über dat Ende nach, und wie dat is, wenn die Sonne in 5 Milliarden Jahren verglüht, da kommt so ein ambulanter Eisverkäufer heran, hält, guckt mich an und sagt: „Traurig , ne?“

Er heißt Kevin, ist gar kein ambulanter Eisverkäufer, sondern ambulanter Fotograf, und bietet stimmungsvolle Bilder von der Wassermisere in Kaub an. Auch den Illustrierten, die mit der Bahn lieber niemanden schicken.

Aber heute hat er etwas ganz Besonderes, im Morgengrauen aufgenommen, ein Bild von Leuten, die ganz wichtig aussehen, einen kennt er aus dem Fernsehen. Und er zeigt mir das hier, 15 € bitteschön, mit Bildunterschrift. Ich guck, und wat seh ich: Unsere Regierung!!!

 

 

„Mensch Kevin“, sag ich, wat haben die denn hier gemacht? Heute Morgen?“

„Kann ich Dir sagen“, grinst Kevin verschmitzt: „20 €.“

„Aber dafür krieg ich noch ein paar Informationen.“  „30.“

Kevin gibt mir das Foto und erzählt. Den letzten aus der Truppe hat er noch angesprochen, ein Ministerialer, der war ein bisschen müde. Also, die wollten sich ein Bild machen von der Lage hier, und ob hier eine Fußgängerampel hin soll.

An der Stelle lacht Kevin, als hätte er einen Witz gehört. Aber ne, im Ernst. Wenn die Leute hier zu Fuß rüber kommen, muss wegen der Sicherheit eine Fußgängerampel hin, hat der Ministeriale erzählt. Schiffe haben natürlich Vorfahrt, auch wenn sie von links kommen, aber ne Ampel wäre schon gut. Und die Bärbel Bas hat noch eine Ampel mit Akustiksignal gewollt, für die Blinden und Sehbehinderten, und der Söder ein Warnschild „Begehen auf eigene Gefahr. Im Winter kein Streudienst“, von wegen Schadensersatz und so.

Alles hat Kevin aber nicht verstanden, et ging da auch um eine engere Anbindung an Berlin oder so. Und um eine Änderung des Bundeswasserstraßengesetzes, Fußgängerüberwege gibt es da noch gar nicht.

Ich bin immer noch ganz begeistert und betrachte so das Bild, und Kevin lässt mich allein mit meine aufgewühlte Gedanken.

Mein Gott denk ich so, nach 20 Millionen Jahre, so alt ist der Rhein schon, und wie die alle gucken. Richtig wichtig. Noch immer bin ich benommen vom Schicksal, das mich gerade heute hierhin geführt hat, und eine Fußgängerampel ist ja auch sinnvoll, und automatisch guck ich so auf die Rückseite. „KI generiert“ steht da. Und ich Optimist hatte angenommen, Politiker könnten sich einfach auf eine Fußgängerampel einigen! Aber ach, was soll’ s, der Tag war ja eh den Katastrophen geweiht.

 

Pedder

 

 

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